Altmühltaler Kalksteine e.V.

Jurakalkstein / Juramarmor

Die Entstehungsgeschichte

Vor rund 160 Millionen Jahren umspülte ein tropisches Meer die Südliche Frankenalb. Dieses flache Schelfmeer erstreckte sich über den gesamten süddeutschen Raum und bildete die Verbindung zwischen dem Nordmeer und dem alpinen Mittelmeer (Tetys). In einer Zeitspanne von 20 Millionen Jahren entstand durch Ablagerungen in den Lagunen des Schelfmeeres der Obere Jura, auch Weißjura oder Malm genannt. Hierbei handelt es sich um helle Kalke und Mergel, ein Mischprodukt aus Kalk (aus dem Tetys) und Ton (aus dem Nordmeer).

Ursache der Ablagerung (Sedimentierung) war ein chemischer Prozess: die erwärmungsbedingte Ausfällung von Kalk aus dem Tetyswasser. Sie verlief nach einem bestimmten Rhythmus, der klimatischen Schwankungen unterworfen war. Je nach Zusammensetzung der mitgeführten festen Bestandteile im Wasser kam es zur Mergel- oder Kalkablagerung auf dem Boden des flachen Meeres. Dadurch entstand die charakteristische Kalk-Mergel-Wechselfolge, die eine bis zu 500 Meter dicke Schicht bildete. Die Schichtdicke im Raum Treuchtlingen/Eichstätt, dem Abbaugebiet des Juramarmor und des Solnhofener Natursteins, beträgt 250 bis 300 Meter.

In den Ablagerungen befanden sich häufig Exemplare der damaligen Pflanzen- und Tierwelt, was die zahlreichen Versteinerungen in diesem Sedimentgestein erklärt. Durch Eigendruck verhärteten die Ablagerungen, und so entstand das heute als Jurakalkstein bzw. Juramarmor bekannte Naturstein-Baumaterial und der Solnhofener Naturstein. Der Juramarmor stammt aus einer früheren Phase der Erdgeschichte als der Solnhofener Naturstein. Seine Entstehung erfolgte durch Kalkablagerungen im Erdmittelalter vor rund 180 Millionen Jahren. Dieses Sedimentgestein besteht hauptsächlich aus kohlensaurem Kalzium (CaCO3) mit Beimengungen aus Metalloxiden und Farberden. Die Vorkommen des Juramarmor befinden sich im fränkischen Jura-Mittelgebirge im Raum Kipfenberg-Eichstätt-Weißenburg-Treuchtlingen. Dort kommt er in einer Mächtigkeit von 45 Metern vor, deren einzelne Bänke Dicken bis zu 1,60 Meter erreichen. Lediglich das Gestein des unteren Teils dieser Formation ist zur Nutzung als Werkstein brauchbar, und von diesem sind es 12 Schichten, die sich zum Abbau eignen. Die Gesamtdicke der abbaubaren Bänke beträgt bis zu 20 Meter. Von der Abbaumenge gelangen lediglich 20 % als Endprodukt in den Verkauf. Das Restgestein und die darüberliegenden 25 Meter Abraum werden zur Schotter- und Zementherstellung verwendet.

Eine geologische Besonderheit des Juramarmor ist sein großflächiges Vorkommen: In einem Umkreis von 22 Quadratkilometern erstrecken sich die Bänke bei mehr oder weniger gleichem Schichtverlauf und gleicher Schichtfolge über das südliche Frankenjura-Mittelgebirge und garantieren somit eine gleichbleibende Qualität auch bei größeren Bedarfsanforderungen an Naturstein-Baumaterial.

Mit einem Härtegrad von 3 bis 3,5 nach der Mohs'schen Härteskala (1 - 10) gehören der Juramarmor und die Solnhofener Plattenkalke eigentlich zu den Weichgesteinen. Zum Vergleich: Diamant rangiert als härtestes Material auf Stufe 10. Dennoch zeichnet sich das feinkörnige Kalkgestein aus dem Jura gegenüber herkömmlichen Weichgesteinen durch die hervorragende Polierfähigkeit seiner Oberfläche aus, die es der extremen Materialdichte verdankt. Deshalb wird dieser Naturstein auch als Juramarmor bezeichnet. Die verschiedenen Farben des Juramarmors rühren von unterschiedlichen Eisenverbindungen her, die den Stein durchziehen. In einer weiten Bandbreite, von Rahmweiß über Goldgelb bis hin zu Graublau, erstrecken sich die Farbnuancen des Juramarmor. Sein Hauptabbaugebiet ist das mittelfränkische Juramittelgebirge in Bayern, begrenzt durch das Ortsdreieck Treuchtlingen-Petersbuch-Eichstätt. Der Abbau (Tagebau) hinterließ hier seine weithin sichtbaren Spuren. Leuchtendweiße Steinbrüche und Abraumhalden bilden die markanten Wahrzeichen dieser Gegend, in der der Steinabbau eine lange, bis zur Römerzeit zurückreichende Tradition hat.

Die Materialdichte, die Polierfähigkeit, die zahlreichen Farb- und Strukturvariationen und die gute Abriebfestigkeit ergeben die entscheidenden Eigenschaften für die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten des Juramarmor und des Solnhofener Naturstein. Als Fassadenplatte, Bossenstein, Bodenbelag, Wandfliese oder für Massivarbeiten findet Juramarmor beim Hoch- und Innenausbau Verwendung. Insbesondere zeichnen diesen Natursteine ihr guter Wärmespeichereffekt als idealen Bodenbelag für Warmwasser- oder Elektro-Fußbodenheizungen aus. Diese baubiologisch in jeder Hinsicht unbedenklichen Steine gelten bei Verbrauchern als Sinnbild für Zeitlosigkeit und Beständigkeit. Ihre Verwendung als Baumaterial hat lange Tradition: Bereits die Römer nutzten die Juramarmor- und Solnhofener Natursteinvorkommen. Sie verwendeten diese strapazierfähigen und pflegeleichten Natursteine sowohl für Wehr- als auch für Wohnbauten. Auch heute werden die Steine vielseitig eingesetzt: im privaten Wohnbereich genauso wie an repräsentativen Bauten, bei denen elegante und gleichzeitig solide Lösungen gefragt sind - bei Hotels, Theatern, Restaurants, Museen, Schulen, Kirchen, Verwaltungsgebäuden. Jedes Stück Juramarmor ist ein ausgewähltes Unikat und Ausdruck individueller Gestaltung und Atmosphäre.

Der 140 Millionen Jahre alte Juramarmor ist das Ergebnis einzigartiger erdgeschichtlicher Entwicklungsvorgänge. Jeder Stein enthält zahlreiche Zeugnisse frühzeitlicher Pflanzen- und Tierwelt. Die Kraft der Natur, die diesen Naturstein geschaffen hat, und die sichtbare erdgeschichtliche Dokumentation verleihen ihm seinen besonderen Reiz. Weder künstliches Material, noch ein anderer Naturstein können diese Ausstrahlung vermitteln.

Die Darstellung der Farben auf Ihrem Monitor ist von Ihrer Soft- und Hardware abhängig und kann darum keine verbindliche Auskunft über die tatsächlichen Farben der Natursteine, sondern nur eine Annäherung geben.
Zudem variiert Stein als Naturprodukt in Farbe, Textur und Struktur. Die wenigen Beispiele sollen einen Eindruck von der Vielfalt des Materials vermitteln.


Übersicht

Loading...